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Vor Gericht – Besuch der 7. Klassen der Mittelschule Großostheim im Gericht Aschaffenburg

Die Realität der Justizbehörden ist im Alltag meilenweit von unseren Schülerinnen und Schülern entfernt. Umso wichtiger ist es, diese Realität fassbar und erfahrbar zu machen. Das erste dicke Plus für den Besuch einer Gerichtsverhandlung ist die Authentizität eines außerschulischen Lernorts. Die ernste, völlig ungewohnt nüchterne Atmosphäre macht auf alle Besucher einen starken Eindruck. Ferner ist es das erstmalige Wahrnehmen einer abstrakten und trotzdem omnipräsenten Größe, des Staates. Vor Gericht werden die rechtsstaatlichen Grundsätze der Wahrheit und Gerechtigkeit erfahrbar und tatsächlich wird auch eine gewissen Unentrinnbarkeit spürbar. Auch wenn die Mühlen der Justiz bekanntlich langsam mahlen, irgendwann folgt eine Konsequenz auf Verfehlungen. Dies alles komprimiert sich in einer Verhandlung.

Sehr interessant waren die Dokumentation des Ermittlungsprozesses, das Prozedere des Ablaufs und natürlich die beteiligten Personen. Die Heranwachsenden waren fasziniert von der harmlos wirkenden Person des Angeklagten, die so gar nicht mit der Schwere des Verbrechens in Einklang zu bringen war. Die Stellungnahme des psychiatrischen Gutachters erhellte die Zusammenhänge eines schwierigen sozialen Umfelds und einer Neigung zur Delinquenz und warf in der anschließenden Diskussion über das Urteil die Frage der Schuldfähigkeit von Menschen auf, die unter psychischen Erkrankungen leiden. Tatsächlich tendierten die Schüler unter dem Aspekt des Schutzes der Allgemeinheit zu einem deutlich höheren Strafmaß.

Trotzdem war es tröstlich zu erfahren, dass der anonyme juristische Apparat nicht frei von Empathie agiert und wohlwollend alle mildernden Umstände berücksichtigt. Es war für die 7. Klassen der Mittelschule Großostheim ein gewinnbringender Vormittag, den die angehenden Jugendlichen noch lange in Erinnerung behalten werden.